Der erste Weltkrieg aus der Sicht von Zeitgenossinnen

6. November 2015
19:00bis21:00

Jo Mihaly bei den Rotkreuz-Schwestern

Minna Cauer und Jo Mihaly

Am 6. November 2015 veranstalteten wir eine Lesung zum Ersten Weltkrieg aus Frauensicht. Zwei Zeitgenossinnen schrieben bewegende Texte, die von den Schauspielerinnen Renate Fuhrmann und Michelle Patz gelesen wurden, musikalisch begleitet von der Musikerin und Komponistin Dorothée Hahne, die den Mantel von original Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg in ihre Klanginstallation einbaute. Das Publikum war von den Texten und der Musikdarbietungl sehr beeindruckt.

Die ungewöhnlich aufgeweckte Schülerin Elfriede Kuhr (genannte Piete) aus Schneidemühl an der Ostgrenze, die ihrer Großmutter bei der Verpflegung durchreisender Soldaten half und mit mehreren Soldaten einen Briefaustausch pflegte, beschrieb in ihrem Tagebuch u.a., wie sie die nationalistischen Parolen hinterfragte und das Leid des Krieges erkannte.

19. Oktober 1914
„Gretel und ich gingen heute zum kleinen Russenfriedhof, um ihn zu harken und die Gräber vom Unkraut zu säubern. Als wir vor dem Stacheldrahtzaun standen, glaubten wir unseren Augen nicht zu trauen: Es waren auf einmal mindestens dreimal soviel Gräber. Ich war so verblüfft, daß ich Gretel am Arm packte und rief: ‚… Wo kommen denn jetzt die ganzen Gräber her?’

Minna Cauer, aktive Frauenrechtlerin aus dem radikalen Kreis, der für gleiche Rechte der Frauen eintrat, lässt sich zu Kriegsbeginn 1914 erst von der patriotischen Bewegung beeinflussen, doch wendet sich bald gegen den Krieg, wird Mitglied in der Internationalen Frauenliga für dauerhaften Frieden und veröffentlicht in ihrer Zeitschrift „Frauenbewegung“ Aufrufe gegen den Krieg.

 

Minna Cauer

10. Februar 1915
„Ich wurde wegen des Artikels von L[ida] G[ustava] Heymann in der 15. Februar-Nummer vor das Oberkommando zitiert, und man zweifelte meine Vaterlandsliebe an. Man wollte mich nicht gerade als ‚vaterlandslos’ bezeichnen, aber man könne es nicht begreifen, wie eine deutsche Frau einen solchen Artikel bringen könne. …

Eine Kooperation mit der VHS Köln, gefördert von der Gerda-Weiler-Stiftung, dem Gülich-Fonds der Grünen, Kreis Köln und der Bezirksvertretung Innenstadt der Stadt Köln

Termin: Freitag, 6. November um 19 Uhr
Kosten: 15 €, erm. 12 €
Ort: VHS Köln Studienhaus, Haubrich-Hof