„Das Weiterleben der Ruth Klüger“ – Dokumentarfilm von Renata Schmidtkunz

24. Oktober 2014
20:00bis22:00

Es ist eine Sache, den Holocaust überlebt zu haben. Aber es ist eine andere, danach zu fragen, wie sich dieses Leben nach dem Überleben gestaltet hat.

Ruth Klüger-®Navigator Film, Avner Shahaf

Ruth Klüger (1931 in Wien geb.) steht vor ihrem Wiener Elternhaus: klein, zerbrechlich, rastlos und unstet. Das Unwohlsein an der alten Stätte ihrer Jugend ist in dieser Sequenz deutlich zu spüren. Hier zeigt sich die große die US-amerikanische Literaturwissenschaftlerin und bekannte Schriftstellerin  (1992: „Weiterleben. Eine Jugend“) als flüchtende Heimatlose. Und dabei lernen wir die Jüdin in dem Dokumentarfilm von Renata Schmidtkunz als eine starke Persönlichkeit und große Intellektuelle kennen, die sich nicht als Opfer stilisiert, sondern in der ihr eigenen Sprache vom Leben in Ausgrenzung und Konzentrationslagern und Neubeginn im kalifornischen Irvine mit Zwischenstationen in Jerusalem, Göttingen und Wien erzählt. Vielmehr seziert und analysiert Ruth Klüger mit der ihr eigenen innewohnenden Distanz und hebt das Erlebte für die nachfolgenden Generationen mit punktgenauen Sätzen auf eine Ebene, die berückend klar in ihrer Botschaft sind.

Ort: FilmhausKino Köln, Maybachstr. 111

Weitere Informationen

  • Sie stammt aus Wien, aus dem siebten Bezirk, aber sie hat wenig Ursache, ihre Geburtsstadt sonderlich zu schätzen: „Freudlos war sie halt und kinderfeindlich. Bis ins Mark hinein judenkinderfeindlich.“ Die ersten elf Lebensjahre hat Ruth Klüger da verbracht, „in diesem Urschleim“, und ihre Erinnerungen daran sind auch heute, ein halbes Jahrhundert danach, immer noch peinlich präzise: „Man trat auf die Straße und war in Feindesland.“ (Sigrid Löffler: Davongekommen. Jetzt noch über Auschwitz schreiben? In: Die Zeit vom 5. August 1993)

Es ist auch das Verdienst der Regisseurin Renata Schmidtkunz (1964 in Hattingen geb.), die im Zusammenspiel mit den anderen Rollen der Ruth Klüger als Tochter, Ehefrau, Mutter und Oma; als Jüdin, Feministin und Freundin filmisch ein Leben zeichnet, das bei allem Vertrauensverlust aus der Vergangenheit heraus ein aktives lebendiges Gegengewicht in der Gegenwart und damit für die Zukunft setzt. Die Journalistin und evangelische Theologin, die seit 1990 als Redakteurin, Filmemacherin und Moderatorin beim ORF in Wien arbeitet, erhielt im Juni diesen Jahres den Axel-Corti-Preis für ihre „engagierte, konsequente Haltung“ in der Fernseh-, Radio- und Kinoarbeit

Einführung: Beate Preisler, M.A.

– eine Kooperation mit Feminale e.V. und FilmhausKino –

Buch & Regie: Renata Schmidtkunz, Dokumentation Österreich 2011 (83 min., OmU)
Schnitt: Gernot Grassl, Tanja Lesowsky – Kamera: Avner Shahaf & Heribert Senegacnik, Oliver Indra – Musik: Norbert Rusz, Gerhard Kuebel – Mit: Ruth Klüger, Percy Angress, Dan Angress, Laurie Angress, Isabela & River Angress, Gail Hart, Herbert Lehnert, Thedel von Wallmoden, Sigrid Löffler, Eva Geber – Produktion: Navigator Film (Wien) in Koproduktion mit ORF, WDR, BMUKK. Gefördert von Zukunftsfonds und Nationalfonds der Republik Österreich – Verleih: Kairos Film Göttingen

Ort: FilmhausKino, Maybachstr. 111
Dauer: ca. 2 Stunden
Kosten: 6,50 Euro (erm. 5,00 Euro)
Termin: Freitag, 24. Oktober 2014, 20:00 Uhr