Alle Artikel zum Thema Mittelalter

Von Agrippina bis Weiberwirtschaft

Sightseeing im Bus

Köln hat viele berühmte Frauen zu bieten: die Stadtgründerin Agrippina und die Göttin Isis aus dem Altertum; die Gründerinnen von Damenstiften und Beginen aus dem Mittelalter; die heilig gesprochene Edith Stein sowie die Künstlerinnen Olga Oppenheimer und Emmy Worringer aus dem 20. Jahrhundert.
Auf der Rundfahrt sehen Sie Zeugnisse der römischen Zeit und des gegenwärtigen Köln. Wir passieren die Hauptsehenswürdigkeiten wie den Dom, romanische Kirchen, alte Tore der Stadtmauer, das gotische Festtagsgebäude Gürzenich und das historische Rathaus. Auf der ‘Schäl Sick’, der anderen Rheinseite, gibt es einen Fotostopp; von dort können Sie den besten Blick auf den Dom und die Altstadt genießen.

Diese Tour ist vor allem für Gruppen, die mit dem Bus anreisen, zu buchen.

Treffpunkt: Bushaltestelle Komödienstraße
Dauer: ca. 1,5 – 2 Stunden

Verein

Der Kölner Frauengeschichtsverein macht Geschichte …

1986 wurde der Kölner Frauengeschichtsverein gegründet mit dem Ziel, die Geschichte der Kölner Frauen zu erforschen und in ihrer Lebendigkeit und oft auch Aktualität einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln.

Als Motto wählten wir die immer noch aktuelle Feststellung einer spannenden Vorgängerin, der 1607 in Köln geborenen Anna Maria van Schürmann: “… Daher kommt es, dass bei der Lektüre historiograpischer Werke über weite Zeitläufe hinweg von den Spuren der Frauen nicht mehr erscheint als von den Spuren eines Schiffes im Meer.” (1639)

Auch im Köln des 20. Jahrhunderts vermissten zwei Frauen die Darstellung der Geschichte der einen Hälfte der Menschheit, noch immer wurde ihre Geschichte nicht als überlieferungswürdig erachtet. Die Diplom-Pädagogin Gwen Edith Kiesewalter und die Historikerin Irene Franken starteten 1985 mit einem ganztägigen Rundgang zur Frauengeschichte – und hatten einen durchschlagenden Erfolg. Die anhaltende Resonanz zeigt, dass das Bedürfnis nach Informationen über die “weibliche” Seite der Geschichte groß war – und ist.

In den 20 Jahren Vereinsgeschichte bilden die Rundgänge den größten Schwerpunkt der Vereinsaktivitäten. Nach und nach folgten Führungen

  • durch Kirchen (St. Ursula, St. Pantaleon, St. Maria im Kapitol, Dom usf.
  • durch einzelne Stadtviertel (Rathenauplatz, Nippes, Südstadt, Ehrenfeld, Rheinauhafen)
  • in Ausstellungen (Sportmuseum, Römisch-Germanisches Museum, Museum Ludwig)
  • zu besonders wichtigen Epochen (Nationalsozialismus)
  • zu Themen (Hexenverfolgung, Rhein und Wasser, Geld, Beziehungen, Essen, Kriminalität,)
  • über einen Friedhof (Melaten)
  • als Wanderung (in die Eifel) u.a.m.

Inzwischen bieten wir den Service an, Rundgänge thematisch für Gruppen umzustellen und neu zu kreieren.

Im Laufe der Jahre wurde der Kölner Frauengeschichtsverein als Rechercheort und Dokumentationsstelle aufgebaut. Vereinsmitfrauen und -männer können gratis, alle anderen gegen eine Gebühr auf unser Material zugreifen oder – sofern die personellen Kapazitäten vorhanden sind – recherchieren lassen. Zu dem Spezialaspekt Neue Frauenbewegung in Köln haben wir einen einmaligen Sammlungsbestand zusammengestellt (Näheres siehe Rubrik Archiv).

Weitere Standbeine der Vereinsaktivitäten sind vielfältige Veröffentlichungen: Neben Darstellungen zur Hexenverfolgung, Stadtführern und Rundgangsbroschüren kann Spannendes über Frauen am und auf dem Rhein nachgelesen werden. Sie finden alle Titel auf der website unter “Publikationen”. Weiterhin können Sie auch Vorträge und Lesungen aus den Büchern bei uns erfragen, – eine Liste möglicher Themen lassen wir Ihnen gerne zukommen.

In der Vergangenheit haben wir wiederholt selbst Ausstellungen erarbeitet oder Wanderausstellungen nach Köln geholt:

  • 1985 Die Geschichte der Frauen in Köln – gesehen von Kölner Künstlerinnen (Frauenbuchladen Rhiannon)
  • 1992 Eine Frauensache – Alltagsleben und Geburtenpolitik 1919-1933 (VHS Köln, angereichert um Kölner Tafeln)
  • 1995 10 Uhr pünktlich Gürzenich. 100 Jahre bewegte Frauen in Köln (Atelier 6811)
  • 1995 Das Studium der Weiber ist schwer! Studentinnen und Dozentinnen an der Universität Köln (Universitätsbibliothek).
  • 1998 wurde auf Initiative des Kölner Frauengeschichtsvereins die Amsterdamer Ausstellung Anne Frank – eine Geschichte von heute nach Köln geholt und im NS-Dokumentationszentrum gezeigt.

Zu allen Ausstellungen organisierten wir ein reiches Begleitprogramm.

Politische Einflussnahme

Bereits 1985 erkannten die Vereinsgründerinnen die Notwendigkeit, über eine Lobby für die stärkere Sichtbarkeit von Frauen im Stadtbild einzutreten. Diese wurde der Kölner Frauengeschichtsverein. 1985/86 folgte der erste Antrag, die Gasse Unter Seidmacher und Seidmachergässchen in Seidmacherinnengässchen umzubenennen, um so darauf aufmerksam zu machen, dass in Köln im Mittelalter eine reine Frauenzunft – ein Unikum der deutschen Geschichte! – dieses kostbare Produkt herstellte. Dem positiv beschiedenen Antrag folgten inzwischen viele weitere. Bei Kölner Ausstellungen machten wir – sofern nötig – lautstark auf das Fehlen der Frauengeschichte aufmerksam. Auch bei der Diskussion um die Ratsturmfiguren mischte Vereinsgründerin Irene Franken mit: Auf ihren Vorschlag hin – und im Zusammengehen mit der Stadtverordneten Gundi Haep – wurde der Anteil an Skulpturen, die an Frauen erinnern, von ehemals fünf auf 18 erhöht:

  • Agrippina d. J.
  • Hl. Ursula
  • Plektrudis
  • Theophanu
  • Ida
  • Sela Jude
  • Fygen Lützenkichen
  • Katharina Henoth
  • Anna Maria van Schürmann
  • Augustina de Heers
  • Die “Klosterfrau” Maria Clementine Martin
  • Mathilde Franziska Anneke
  • Mathilde von Mevissen
  • Amalie Lauer
  • Hertha Kraus
  • Edith Stein
  • Christine Teusch
  • Irmgard Keun …

… repräsentier(t)en seitdem mögliche Biographien von Kölnerinnen. Im Mai 1991 übergab der Kölner Frauengeschichtsverein – zusammen mit der Agrippina-Versicherung – im Rathaus die von Elisabeth Perger in Stein gehauene Skulptur der Anna Maria van Schürmann an die Stadt.

Um die Repräsentanz der historischen Kölnerinnen zu gewährleisten haben Vereinsfrauen in verschiedenen thematischen Gremien mitgewirkt und tun dies noch, sei es beim Deutschen Städtetag, in der Historischen Kooperation, in der Historischen Gesellschaft, beim Arbeitskreis interdisziplinäre Hexenforschung, beim AK Historisch arbeitender Frauen, bei Köln ohne Grenzen oder auch – als Regionaljurorin – beim Schülerwettbewerb Geschichte des Bundespräsidenten.

Bei aktuellen politischen Anlässen kooperieren wir mit anderen Kölner Institutionen, so am Auschwitz-Gedenktag (27. Januar) bei der Veranstaltung in der Antoniterkirche, beim Internationalen Frauentag am 8. März, beim Internationalen Tag gegen Frauengewalt (25.11.)  oder auch beim CSD.

Der Kölner Frauengeschichtsverein ist ein eingetragener Verein (Vereinsregister-Nr: VR 9368). Ihm steht satzungsgemäß ein drei- bis sechsköpfiger Vorstand vor. Er leitet die Geschicke im Auftrag der fast 200 Fördermitglieder. Haben Sie ein besonderes Interesse an der Sichtbarmachung von Frauengeschichte? Möchten Sie unsere Aktivitäten einfach nur unterstützen? – Wir freuen uns über neue Fördermitglieder!

Hier können Sie die Satzung und das Beitrittsformular herunterladen:
Satzung-2008.pdf Beitrittserklärung.pdf

Von Beginen und Bayenamazonen – Frauengeschichte im kölschesten Viertel

29. Mai 2010
14:00bis16:00
28. August 2010
14:00bis16:00

Der Rundgang durch das Severinsviertel handelt von armen und rechtlosen Frauen, die sich jedoch durchaus zu helfen wußten. Wir berichten von der attraktiven Lebensweise der Beginen im späten Mittelalter, über eine Rechtsberatungsstelle von Frauen für Frauen von 1901 sowie über die Schokoladenarbeiterinnen bei Stollwerck. Die Frauen arbeiteten im verführerischen Schokoladenduft, standen aber stets unter strenger Kontrolle.

Weiter geht es darum, wo unverheiratete Schwangere ”untertauchen” und ihr Kind zur Welt bringen konnten. Welche Möglichkeiten hatten Dienstmädchen, sich gegen ihre “Herrschaft” zur Wehr zu setzen? Außerdem erfahren Sie, wie es zum ersten Lohnstreik kam und wer sich hinter den Bayenamazonen verbirgt.

Treffpunkt: an der Severinstorburg, KVB-Haltestelle: Chlodwigplatz
Dauer: 2 Std.
Kosten: 8 Euro
Nächste Führung: 29. Mai und 28. August 2010 um 14 Uhr für Frauen und Männer

Selbstbewusst oder ausgebeutet – Frauenerwerbsarbeit quer durch die Jahrhunderte

19. Juni 2010
14:00bis16:00
12. September 2010
14:00bis16:00

Berufstätige Frauen – keine Errungenschaft der jüngsten Vergangenheit! In der Römerzeit arbeiteten Frauen in vielen Berufen, im Mittelalter exportierten sie ihre Produkte europaweit. Doch im Gegensatz dazu gab das bürgerliche Gesetzbuch von 1900 Ehemännern das Recht, ihren Frauen die Erwerbstätigkeit zu verbieten.

Wie lebten und arbeiteten Spitzenklöpplerinnen oder Angestellte? Folgen Sie den Spuren der Meisterinnen im Mittelalter oder der erfolgreichen Bankerin der Neuzeit. Gewinnen Sie Einblicke in die ausbeuterische Mädchenarbeit im 19. Jahrhundert und die Erfolge der Frauenberufsbewegung.

Treffpunkt: vor dem Römisch-Germanischen Museum, Roncalliplatz, KVB-Haltestelle: Dom /Hbf
Dauer: 2 Stunden
Kosten: 8 Euro
Nächste Führungen: 19. Juni 2010 und am 12. September zum Tag des offenen Denkmals um 14 Uhr für Frauen und Männer

Keusch oder romantisch? Lesbengeschichte Teil I

2. Juli 2010
17:00bis19:00
Freundinnen: Maria und Elisabeth

Freundinnen: Maria und Elisabeth

Gab es früher überhaupt “homosexuelle” Frauen? Existierte nur die romantische Freundschaft oder auch eine sexuelle Praxis? Anhand von Bildmotiven wie dem der Freundinnenschar der Heiligen Ursula nähern wir uns der Frauenliebe im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit: bei Nonnen, bei Frauen in Männerkleidern und bei verheirateten Frauen, die Liebesbriefe an Frauen verfassten. Wir lesen aus alten Beginenregeln, Gerichtsakten und Briefen vor.

Treffpunkt: vor St. Ursula, Ursulaplatz, KVB-Haltestelle: Breslauer Platz
Dauer: 2 Stunden
Kosten: 8 Euro
Nächste Führungen: 2. Juli um 17 Uhr (für Frauen)