Verein

Der Kölner Frauengeschichtsverein macht Geschichte …

1986 wurde der Kölner Frauengeschichtsverein mit dem Ziel gegründet, die Geschichte der Kölner Frauen zu erforschen und in ihrer Lebendigkeit und oft auch Aktualität einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln.

Als Motiv wählten wir eine immer noch spannende Vorgängerin, die 1607 in Köln geborene Anna Maria van Schürmann:

„… Daher kommt es, dass bei der Lektüre historiograpischer Werke über weite Zeitläufe hinweg von den Spuren der Frauen nicht mehr erscheint als von den Spuren eines Schiffes im Meer.“ (1639)

Auch im Köln des 20. Jahrhunderts vermissten zwei Frauen die Darstellung der Geschichte der einen Hälfte der Menschheit, noch immer wurde ihre Geschichte nicht als überlieferungswürdig erachtet. Die Diplom-Pädagogin Gwen Edith Kiesewalter und die Historikerin Irene Franken starteten 1985 mit einem ganztägigen Rundgang zur Frauengeschichte – und hatten einen durchschlagenden Erfolg. Die anhaltende Resonanz zeigt, dass das Bedürfnis nach Informationen über die ‚weibliche‘ Seite der Geschichte groß war – und ist.

In der fast 30jährigen Vereinsgeschichte bilden die Rundgänge den größten Schwerpunkt der Vereinsaktivitäten. Nach und nach folgten Führungen

  • durch Kirchen (St. Ursula, St. Pantaleon, St. Maria im Kapitol, Dom u.a.)
  • durch einzelne Stadtviertel (Nippes, Südstadt, Ehrenfeld, Rheinauhafen)
  • durch Museeun und Sonderausstellungen (Sport- und Olympia-Museum, Römisch-Germanisches Museum, Museum Ludwig, Wallraf-Richartz-Museum, Rauzenstrauch-Joest-Museum)
  • zu besonders wichtigen Epochen (Nationalsozialismus)
  • zu Themen (Hexenverfolgung, Rhein und Wasser, Geld, Beziehungen, Essen, Kriminalität)
  • über einen Friedhof (Melaten)
  • als Wanderung (in die Eifel)
  • als Exkursion (Frauenmuseum Bonn)

Inzwischen bieten wir den Service an, Rundgänge thematisch für Gruppen umzustellen und neu zu kreieren.

… auch als Rechercheort und Dokumentationsstelle

Im Laufe der Jahre wurde der Kölner Frauengeschichtsverein als Rechercheort und Dokumentationsstelle aufgebaut. Vereinsmitfrauen und -männer können gratis, alle anderen gegen eine Gebühr auf unser Material zugreifen oder – sofern die personellen Kapazitäten vorhanden sind – recherchieren lassen. Zu dem Spezialaspekt Neue Frauenbewegung in Köln haben wir einen einmaligen Sammlungsbestand zusammengestellt (Näheres siehe Archiv).

Weitere Standbeine der Vereinsaktivitäten sind vielfältige Veröffentlichungen. Neben Darstellungen zur Hexenverfolgung, Stadtführern und Rundgangsbroschüren kann Spannendes über Frauen am und auf dem Rhein und im Karneval nachgelesen werden. Sie finden alle Titel auf unserer Website unter Publikationen.

Weiterhin können Sie auch Vorträge und Lesungen aus den Büchern bei uns erfragen. Eine Liste möglicher Themen lassen wir Ihnen gerne zukommen.

In der Vergangenheit haben wir wiederholt Ausstellungen selbst erarbeitet oder Wanderausstellungen nach Köln geholt:

  • 1985: Die Geschichte der Frauen in Köln – gesehen von Kölner Künstlerinnen (Frauenbuchladen Rhiannon)
  • 1992: Eine Frauensache. Alltagsleben und Geburtenpolitik 1919-1933 (VHS Köln, angereichert um Kölner Tafeln)
  • 1995: 10 Uhr pünktlich Gürzenich. 100 Jahre bewegte Frauen in Köln (Atelier 6811)
  • 1995: Das Studium der Weiber ist schwer! Studentinnen und Dozentinnen an der Universität Köln (Universitätsbibliothek)
  • 1998: Auf Initiative des Kölner Frauengeschichtsvereins wurde die Amsterdamer Ausstellung „Anne Frank – eine Geschichte von heute“ nach Köln geholt und im EL-DE-Haus gezeigt.

Zu allen Ausstellungen organisierten wir ein reiches Begleitprogramm.

Politische Einflussnahme

Bereits 1985 erkannten die Vereinsgründerinnen die Notwendigkeit, über eine Lobby für die stärkere Sichtbarkeit von Frauen im Stadtbild einzutreten. So wurde der Kölner Frauengeschichtsverein ins Leben gerufen. 1985/86 folgte der erste Antrag, die Gasse Unter Seidmacher und Seidmachergässchen in Seidmacherinnengässchen umzubenennen, um so darauf aufmerksam zu machen, dass in Köln im Mittelalter eine reine Frauenzunft – ein Unikum der deutschen Geschichte! – dieses kostbare Produkt herstellte. Dem positiv beschiedenen Antrag folgten inzwischen viele weitere. Bei Kölner Ausstellungen machten wir – sofern nötig – lautstark auf das Fehlen der Frauengeschichte aufmerksam. Auch bei der Diskussion um die Ratsturmfiguren mischte Vereinsgründerin Irene Franken kräftig mit: Auf ihren Vorschlag hin – und im Zusammengehen mit der Stadtverordneten Gundi Haep – wurde der Anteil an Skulpturen, die an Frauen erinnern, von ehemals fünf auf 18 erhöht:

  • Agrippina d. J.
  • Hl. Ursula
  • Plektrudis
  • Theophanu
  • Ida
  • Sela Jude
  • Fygen Lützenkichen
  • Katharina Henoth
  • Anna Maria van Schürmann
  • Augustina de Heers
  • Die ‚Klosterfrau Melissengeist‘ Maria Clementine Martin
  • Mathilde Franziska Anneke
  • Mathilde von Mevissen
  • Amalie Lauer
  • Hertha Kraus
  • Edith Stein
  • Christine Teusch
  • Irmgard Keun …

… repräsentier(t)en seitdem mögliche Biografien von Kölnerinnen. Im Mai 1991 übergab der Kölner Frauengeschichtsverein – zusammen mit der Agrippina-Versicherung – im Rathaus die von Elisabeth Perger in Stein gehauene Skulptur der Anna Maria van Schürmann an die Stadt.

Um die Repräsentanz der historischen Kölnerinnen zu gewährleisten haben Vereinsfrauen in verschiedenen thematischen Gremien mitgewirkt und tun dies noch; sei es beim Deutschen Städtetag, in der Historischen Kooperation, in der Historischen Gesellschaft, beim Arbeitskreis interdisziplinäre Hexenforschung, beim AK Historisch arbeitender Frauen, bei Köln ohne Grenzen oder auch – als Regionaljurorin – beim Schülerwettbewerb Geschichte des Bundespräsidenten.

Bei aktuellen politischen Anlässen kooperieren wir mit anderen Kölner Institutionen, so am Auschwitz-Gedenktag (27. Januar) bei der Veranstaltung in der AntoniterCityKirche, beim Internationalen Frauentag am 8. März, beim Internationalen Tag gegen Frauengewalt (25. November) oder auch beim CSD (Anfang Juli).

Der Kölner Frauengeschichtsverein ist ein eingetragener Verein (Vereinsregister-Nr: VR 9368). Ihm steht satzungsgemäß ein drei- bis sechsköpfiger Vorstand vor. Er leitet die Geschicke im Auftrag der fast 150 Fördermitglieder.

  • Haben Sie ein besonderes Interesse an der Sichtbarmachung von Frauengeschichte?
  • Möchten Sie unsere Aktivitäten einfach nur unterstützen?

Wir freuen uns über neue Fördermitglieder!

Unsere Satzung und das Beitrittsformular: Satzung.pdf Beitrittserklärung.pdf