In der vergangenen Woche hat die vorgesehene Kürzung der öffentlichen Förderung der NRW-Landesregierung zugunsten des FrauenMediaTurms im Köln viel Aufmerksamkeit erregt. Auch wir wurden diesbezüglich angesprochen. Der Kölner Frauengeschichtsverein wird bisweilen mit dem FrauenMediaTurm verwechselt. Dieses Missverständnis möchten wir aufklären.
Richtig ist, dass auch wir ein Archiv aufgebaut haben und über umfassende Bestände zur Kölner Frauenbewegung verfügen. Inzwischen sind wir DIE Anlaufstelle in Köln, wenn sich Projekte aus der Frauenbewegung auflösen. Das Archiv umfasst aktuell rund 100 Sammlungsbestände. Dafür erhält der Verein zurzeit aus dem städtischen Haushalt eine Summe von ca. 8.000 Euro für die Einwerbung von Materialien, Erstellung eines Findbuches, die Eingabe in die Bilddatenbank usf. Weitere Zuwendungen für Stellen, Mietzuschüsse etc. bekommen wir nicht. Ähnliche Einrichtungen, die direkt aus der autonomen Frauenbewegung entstanden sind, gibt es – allein in Nordrhein-Westfalen – auch in Bochum, Düsseldorf und Dortmund.
Der Etat des Landes NRW für den FrauenMediaTurm soll von 210.000 auf 70.000 Euro gekürzt werden, während kein anderes Frauenarchiv regelmäßige Zuschüsse von der Landesregierung erhält. Die nordrhein-westfälische Ministerin für Gesundheit, Emamzipation, Pflege und Alter, Barbara Steffens, begründete diese Kürzung laut Presseberichten mit folgenden Argumenten:
- Öffentlich geförderte Einrichtungen müssen Interessierten einen häufigeren Zugang als nur ein Mal pro Woche ermöglichen.
- Es ist nicht Aufgabe des Frauenressorts der Landesregierung, dauerhaft die institutionelle Förderung eines Archivs zu sichern.
- Andere Frauenarchive in NRW haben bisher – abgesehen von einem Regal – noch keine Landesmittel erhalten.
- Das Geld ist bei den Frauenhäusern richtiger eingesetzt.
Der Dachverband der deutschsprachigen Lesben-/Frauenarchive hat als Reaktion auf die Medienberichte eine Presseerklärung veröffentlicht, die auch unsere Meinung wiederspiegelt. Sie können sie hier herunterladen (Pressemitteilung) und mit den dort genannten Personen Kontakt aufnehmen.
- Prinzipiell halten auch wir die Förderung von Frauenarchiven für richtig, denn es gilt, die Geschichte einer der größten sozialen Bewegungen der Neuzeit zu dokumentieren. Dies ist eine Arbeit, die von den kommunalen Archiven nicht geleistet werden kann. In Köln kommt hinzu, dass das gut sortierte Archiv der sozialen Bewegungen (außer Frauenbewegung), das KölnArchiv, am 3. März 2009 mit dem Stadtarchiv eingestürzt ist.
- Wir wehren uns gegen eine Aufrechnung von Kulturarbeit gegen Sozialarbeit, die immer zugunsten der sozialen Projekte ausgehen wird.
- Wir treten für eine Verhältnismäßigkeit in der Mittelvergabe ein.
Das Ministerium schickte uns nun folgende Stellungnahme:
Sehr geehrte Damen,
bitte beachten Sie im Zusammenhang mit Ihrer Stellungnahme zur Kürzung der Landesförderung für den FrauenMediaTurm in Köln auf Ihrer Homepage folgende Hinweise: NRW-Emanzipationsministerin Barbara Steffens hat bereits vor einem Jahr (mit Ende des Haushalts für 2010) die institutionelle Förderung von 70.000 Euro aus dem Frauenetat für den FrauenMediaTurm beendet – denn die Mittel aus dem Frauenetat sind in der Tat nicht zur Förderung von Bibliotheken und Archiven vorgesehen (Die Vorgängerregierung hatte mit dieser Regel gebrochen). Eine öffentliche Förderung von Archiven und Bibliotheken erfolgt – wenn – aus den Mitteln des Kultur- bzw. Wissenschaftsministeriums. Insofern bezieht sich die Aussage von Ministerin Steffens allein auf die Beendigung eines Teils der Finanzierung des FMT mit Landesmitteln, eben der 70.000 Euro aus dem Frauenetat.
Mit freundlichen Grüßen
Christoph Meinerz
Leiter des Referates “Presse, Öffentlichkeitsarbeit”
Pressesprecher des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen