Grab der ersten Kölner Uni-Professorin in Gefahr

Am 18.6. erhielt der Kölner Frauengeschichtsverein über das Sachgebiet Mentoring & Chancengerechtigkeit der Universität zu Köln die Nachricht, dass die Friedhofsverwaltung das Grab der ersten ordentlichen Professorin der Kölner Universität auflösen wird. Es handelt sich um die Biologin Prof. Dr. Cornelia Harte. Nach ihrem Studium der Botanik, Zoologie und Chemie promovierte sie 1941 zur Zytogenetik. Es folgte die Habilitation im Bereich der Entwicklungsbiologie ebenfalls zur Nachtkerze. Zunächst Ende 1950 auf eine planmäßige außerordentliche Professur für Entwicklungsphysiologie an der Universität zu Köln berufen erhielt sie 1966 eine ordentliche Professur , d.h. einen Lehrstuhl mit Personal. 1998 wurde sie auf Melaten begraben. (Zuvor gab es nur eine Medizinerin, Asta von Mallinckrodt-Haupt, die als habilitierte Dermatologin 1941 außerplanmäßige Professorin in Köln wurde.)

Cornelia Harte war frauenpolitisch aktiv, sie stärkte die Förderung und Vernetzung von Frauen in der Wissenschaft , war Vorsitzende der Ortsgruppe Köln und stellvertretende Bundesvorsitzende des Deutschen Akademikerinnenbundes und initiierte einen Arbeitskreis Hochschullehrerinnen. Nach ihr sind ein Preis, den sie selbst dotierte, und ein Mentoring-Programm der Kölner Uni benannt!

Wir versuchen seit dem gemeinsam mit der Stiftung Frauen*leben in Köln das Grab zu retten und einen Erhalt finanziell zu stemmen – eigentlich eine Aufgabe der Universität selbst (Kuratoriat) bzw. des Landes NRW. Laut dem Chefgärtner des Friedhofs wurde die Abräumung erst einmal gestoppt.

Wir wünschen uns, dass die Professorinnen der Kölner Universität, die auf den Schultern von Frauen wie Cornelia Harte stehen, sich an einer Finanzierung des Erhalts beteiligen. wir werden demnächst dazu Möglichkeiten vorschlagen.

Lesbian Visibility Week Köln 2024 – Schätze aus dem Archiv des Frauengeschichtsvereins

Der Arbeitskreis Sichtbarkeit und Vernetzung von Lesben und queeren FLINTA* in Köln hat ein tolles Programm auf die Beine gestellt, von der Wanderung über ein Quiz oder einen Museumsbesuch ist für alle was dabei.

Bild: Hanne Horn, Düsseldorf

Am 23.4. öffnet der Kölner Frauengeschichtsverein seine Schatzkisten und zeigt Zeugnisse lesbischer Geschichte aus dem Vereinsarchiv. Vor ca. 30 Jahren haben wir begonnen, die Geschichte von Lesben zu dokumentieren. Es begann mit Flugblättern und Protokollen aus dem Anfang der Neuen Frauenbewegung in Köln, die von Aktivistinnen abgegeben wurden. Der von Gertraut Müller gegründeten in der BRD ersten Lesbengruppe ist nun ebenso nachzuspüren wie den ‘rivalisierenden’ Gruppen der Uris (Immer-schon-Lesben) und der Movies (durch-die-Frauenbewegung-lesbisch- gewordenen-Feministinnen), der Politlesbengruppe der 1990er Jahre oder der Einschreibung von Lesben in die glf.
2001 entstanden gleich zwei Stadtrundgänge zur Lesbengeschichte, die vom Frauengeschichtsverein regelmäßig angeboten werden (und auch zu buchen sind). Poster und Flyer spiegeln ein lebendiges Ausgehverhalten (fast alles ist eingeschlafen – warum?). Lesbenzeitschriften rufen sich wandelnde Diskurse auf (z.B. Ihrsinn, Lesbenstich, Lespress). Interviews mit lesbischen und queeren Protagonistinnen lassen erkennen, ob ihr Begehren besondere Relevanz für das Leben hatte – oder ob es kaum erwähnt wird. Heute werden die Bestände und Sammlungen von Mitarbeiterinnen wie Nutzerinnen für Artikel, Wikiseiten, einen queeren Audiowalk oder für Lesungen genutzt.    Wir zeigen an diesem Abend Quellen, erzählen Geschichten rund um das Material, beantworten Fragen und bieten voraussichtlich ein kleines Quiz zur Kölner Lesbengeschichte an. Das genaue Programm wird noch erstellt.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Lesbian Visibility Week – lesbisch.queer.köln – statt.

Preis für die Dokumentarin – auch des Kölner Frauengeschichtsvereins, Nina Matuszewski

Nina Matuszewski

Eine verdiente Ehrung

In Abwesenheit wurde am Sonntag den 10.3. Nina Matuszewski mit dem Preis ARCHIVARius geehrt, den das Centrum Schwule Geschichte seit 2018 für besondere Leistungen in der Archiv- und Dokumentationsarbeit vergibt.

Nina Matuszewski ist dem Frauengeschichtsverein seit vielen Jahren verbunden, kam als Studentin in den 1990er Jahren, um Stadtrundgänge auszuarbeiten und anzubieten. Bei einem Praktikum entdeckte die Historikerin ihre Leidenschaft für die Dokumentation. Es folgte eine Ausbildung in Potsdam und danach leistete sie Basisarbeit in mehreren kleineren – inzwischen bedeutenden – Archiven aus dem migrantischen Kontext.

Bis zum Jahr 2013 betreute Nina unsere Bestände und vor allem die Erffassung als Wissenschaftliche Dokumentarin. Sie machte aus einer unstrukturierten Sammlung ein Archiv der neuen Frauen- und Lesbenbewegung, führte das Datenbank-System Faust ein und professionalisierte das Findbuch „Neue Frauenbewegung“. In der Laudatio zweier Kolleginnen, die sie aus- bzw. fortgebildet hat, Gabriela Schaaf und Sigrid Haller-Rübeck heisst es:

Sie hat zahlreiche Bestände von Akteurinnen eingeworben und angelegt. Besonders zu erwähnen ist dabei der Nachlass der international renommierten Soziologin Maria Mies, für den sie die Tektonik entworfen und so die Grundlage für die weitere Verzeichnung geschaffen hat. Außerdem hat sie für den Verein etliche Projekte initiiert und realisiert – zuletzt 2023 als freie Mitarbeiterin die Digitalisierung und Erfassung der Sendemitschnitte von „Radio Lästerher(t)z“, einem feministischen Radio aus den Jahren 1992-2006. Sie hat an Ausstellungen zur Frauen- und Migrationsgeschichte mitgewirkt, und als Autorin an der Publikation des Vereins ’10 Uhr pünktlich Gürzenich. 100 Jahre bewegte Frauen in Köln’, die 1995 erschien. Bis heute steht sie dem Verein als externe Beraterin zur Verfügung. Wann immer ihre Hilfe gebraucht wird, nimmt sie sich Zeit dafür.“

cof

Auch bei anderen Kölner Archiven hinterließ sie tiefe Spuren, so entwickelte sie für den Rom e. V. Strukturen für ein Dokumentationszentrum und eine Fachbibliothek; bei DOMiD e. V., einem Verein, der ein bzw. das bundesdeutsche Migrationsmuseum plant, hat sie ein Datenbankmanagementsystem eingeführt, das Archiv professionalisiert durch Dokumentationsstrukturen, eine Bibliothekssystematik erstellt und zusätzlich die externen Archivnutzer*innen betreut.

2007 erhielt sie – auf Empfehlung einer Kollegin des Frauengeschichtsverein – ihre Stelle in der Dokumentation des NS-DOK, wo sie seit 2013 in Vollzeit als Dokumentarin tätig ist. Hier reorganisierte sie u.a. die Inhalte der Datenbanken und wirkte bei der Erforschung der Schicksale verfolgter jüdischer Kölner*innen mit. Ergebnisse dieser Arbeit wurden u.a. im Gedenkbuch für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus aus Köln zugänglich gemacht.

In der Laudatio heisst es weiterhin: „Die Leidenschaft für professionelle Archivarbeit ist bei Nina Matuszewski immer auch verbunden mit einem politisch-emanzipatorischen Anliegen: nämlich die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Quellen der Neuen sozialen Bewegungen zu lenken. Das tat oder tut sie mit Vernetzungs- und Verbandsarbeit, zum Beispiel im Netzwerk „Archive von unten“, bei i.d.a. dem Verbund der Frauen- und Lesbenarchive und im Arbeitskreis Kölner Archivarinnen und Archivare (AKA). Zudem vertritt sie das NS-DOK im Notfallverbund der Kölner Archive und Bibliotheken und hat 2009 den „Arbeitskreis Überlieferungen der Neuen Sozialen Bewegungen“ im VDA mitgegründet und dort am Positionspapier „Zur Zukunft der Archive von Protest-, Freiheits- und Emanzipationsbewegungen“ mitgewirkt.“

Zudem ist sie eine engagierte Förderin von archivischem Nachwuchs, und sei ‘er’ wie im Fall unserer Kollegin Gabriela Schaaf beim Start 58 Jahre alt, oder bei der Kollegin Sigrid Haller-Rübeck,  die bei Nina im NS-Dokumentationszentrum die Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste, Fachrichtung Information und Dokumentation absolvierte, 35 Jahre alt und Mutter kleiner Kinder. „Ninas Fragen waren interessiert, aufgeschlossen und wertschätzend. Sie hat klar gemacht, was mich erwartet, wenn ich ihre neue Auszubildende werde und gleichzeitig Vorschläge gemacht, wie ich meine Zeiten und Aufgaben regeln kann, damit alles machbar ist. Für mich war klar, dass da eine potenziell zukünftige „Chefin“ sitzt, die besonders ist. Und diese Einschätzung habe ich bis heute nicht korrigieren müssen, ob als Ninas Auszubildende im NS-Dokumentationszentrum oder bei der Zusammenarbeit für den Kölner Frauengeschichtsverein.“„

Nina hat beide archivisches Denken gelehrt, und vermittelt, „was es bedeutet, die Dokumente einer Bewegung von unten zu sichern, im Fall des Frauengeschichtsvereins, die Dokumente der Neuen Frauenbewegung in Köln. Und nicht zu verzweifeln, wenn Fragen auftauchen, wie ‘Muss man das wirklich alles aufheben?’ und ‘Übersteigt es nicht unser aller Lebenszeit das auch noch zu verzeichnen?’, so Gabriela Schaaf.

Auch andere Kolleg*innen schlossen sich der Wertschätzung mit Belobigungen an, sei es vom Archiv der Deutschen Frauenbewegung in Kassel, vom Archiv für alternatives Schrifttum – AfaS aus Duisburg oder von Vera Tönsfeldt, ehemals beim Archiv des Rom e.V.

Haller-Rübeck schloss: „ Nina, ohne dich wäre ich und – wie du gehört hast – viele andere Menschen nicht mit so viel Leidenschaft und Kompetenz in ihren Archiven im Einsatz. Doch ich finde, dass an dieser Stelle nicht immer nur von deiner fachlichen Fähigkeit die Rede sein kann. Mein Leben hast du auch als Person an sich bereichert. Deine Begeisterung für die Archiv- und Dokumentationsarbeit hat sich auch auf mich übertragen und dein unermüdlicher Einsatz, Dinge weiter zu denken und neue Möglichkeiten zu finden oder sie gegebenenfalls selbst zu schaffen, sind menschliche Qualitäten, die dich einmalig und in meiner Welt als Kollegin und Freundin unverzichtbar machen. …  Herzlichen Glückwunsch zum Archivarius! Du hast ihn mehr als verdient.“  

Test2

(Öko-)Feministin Maria Mies

Maria Mies und Vandana Shiva

Zeitzeugin im Gespräch

Maria Mies, geboren 1931 in der Vulkaneifel als siebtes von 12 Geschwistern, war eine international renommierte Soziologin, Feministin, Globalisierungskritikerin und Buchautorin. Sie arbeitete nach ihrem Studium am Goethe Institut in Poona, was ihre lebenslange Liebe zu Indien zur Folge hatte. Als Professorin an der FH Köln gründete sie zusammen mit ihren Studentinnen das erste autonome Frauenhaus der Bundesrepublik. Am Institute of Social
Studies in Den Haag entwickelte sie den Schwerpunkt Women and Development und formulierte viel diskutierte Postulate zur Frauenforschung. Als Globalisierungskritikerin trug sie aktiv zur internationalen Vernetzung der Globalisierungskritischen Bewegung bei.

Sie setzte sich für ein ressourcenorientiertes Wirtschaften ein und fand dafür Modelle bei den Land-Frauen in den Ländern des globalen Südens. Lange bevor das Thema in aller Munde war,
machte sie sich Gedanken über ein Konzept des ‚guten Lebens‘ für alle, das sie unter anderem in einer befriedigenden Arbeit verortete und nicht im Konsum. Dafür stand sie auch in ihrem privaten Leben. Ihre theoretisch fundierten und gleichzeitig immer verständlich geschriebenen Bücher haben bis heute nichts an Aktualität eingebüßt. Einzelne Titel erleben deshalb international immer wieder Neuauflagen, aktuell der Titel La subsistance in Frankreich (zusammen mit Veronika Bennholdt-Thomsen).

Am 15.Mai 2023 ist Maria Mies im Alter von 92 Jahren gestorben. Eine ihrer wissenschaftlichen Weggefährtinnen, Renate Klein, schrieb: “Ich kann nur hoffen, dass die Lebensgeschichte von
Maria Mies mit all ihrem Mut, Humor, Intellekt und all ihrer Leidenschaft junge wie ältere Frauen inspirieren wird, so dass wir gemeinsam das nächste Kapitel des Feminismus beginnen
können.”

Ihr Nachlass wird vom Kölner Frauengeschichtsverein unter der Signatur Best. 80 verwaltet und der Öffentlichkeit zugänglich macht.
Aus Anlass ihres bevorstehenden ersten Todestages können Sie hier ein Interview von Gabriela Schaaf mit Maria Mies vom 09.01.2013 hören:

Teil 1:

Teil 2:

Historikerin und Stadtführerin Anita Lossin verstorben

Eine liebe frühere Mitarbeiterin, Anita Lossin, ist am Samstag, den 27. Januar im Alter
von 61 Jahren gestorben. Anita hatte Geschichte studiert und um 1990 mit dem
noch jungen Kölner Frauengeschichtsverein Kontakt aufgenommen. Sie beschäftigte
sich mit den Hebammenakten beim Landschaftsverband und erstellte ein Dossier
dazu. Zusammen mit Elisabeth/Eli Amling und Annette Nottelmann bildete sie ein
engagiertes Team, sie blieben bis zu Anitas Lebensende befreundet.

Anita hatte besonderen Spaß daran, als historische Figur aufzutreten, so verkleidete sie
sich zum Spendensammeln für ‚unsere‘ Ratsturmskulptur als Anna Maria van
Schurman und kam dem Original aus dem 17. Jahrhundert erstaunlich nahe. Später
machte sie eine Clownsausbildung und vergnügte Kinder und Erwachsene. Anita
führte noch für Jahre Frauen und Männer durch Köln, zuletzt zeigte sie die
‚weibliche‘ Seite des Doms. Und sie übernahm für viele folgende Jahre die
Kassenprüfung des Frauengeschichtsvereins, gewissenhaft und engagiert.

Das Dasein als freiberufliche, vielleicht prekäre Historikerin, war nicht ihrs, so
entscheid sie sich zu einer Ausbildung im Verwaltungssektor und arbeitete bei
der Polizei im Immobilienbereich. Sie pflegte nebenbei Hobbies wie die Malerei
oder Reisen.

Für zwei Kinder übernahm sie eine Rolle als enge Bezugsperson, eine Quasi-Oma. Und sie
schloss sich einer Sufi-und einer Skan-Gruppe an, die ihr viel Kraft gaben. Anita Lossin hatte einen sehr eigenen feinen Humor. Die Spiritualität und der Humor halfen ihr, körperliche Beschwernisse zu ertragen, zunächst über Jahre eine Erkrankung am Herzen mit Monaten in Heidelberger Kliniken. Ein gespendetes
Ersatzherz hat sie gut angenommen und alles hätte smooth weiter laufen können.
Dann bewirkte eine unentdeckte Krebserkrankung ein rasches Ende.

Bis zuletzt war Anita erstaunlich gelassen. Wir werden sie in liebevoller Erinnerung halten.

Wahlrecht & Gleichberechtigung

Kölnerinnen kämpfen für Demokratie und Frauenrechte

Frauen haben viel zur demokratischen Entwicklung beigetragen. Schon 1847 schrieb Mathilde Anneke eine feministische Kampfschrift. Die alte Frauenbewegung forderte erst Zugang zur Bildung, dann das Wahlrecht. Nach 1945 bildeten sich Frauenausschüsse, die sich wieder für Demokratie einsetzten. Die Neue Frauenbewegung stritt für Selbstbestimmung, die Abschaffung des § 218 und das erste kommunale Frauenamt (1982) in der BRD.

Gästeführerin: Irene Franken

Vorverkauf erforderlich!

Wahlrecht & Gleichberechtigung

Kölnerinnen kämpfen für Demokratie und Frauenrechte

Frauen haben viel zur demokratischen Entwicklung beigetragen. Schon 1847 schrieb Mathilde Anneke eine feministische Kampfschrift. Die alte Frauenbewegung forderte erst Zugang zur Bildung, dann das Wahlrecht. Nach 1945 bildeten sich Frauenausschüsse, die sich wieder für Demokratie einsetzten. Die Neue Frauenbewegung stritt für Selbstbestimmung, die Abschaffung des § 218 und das erste kommunale Frauenamt (1982) in der BRD.

Gästeführerin: Irene Franken

Ticketkauf

Aktivistin Brigitte Maser verstorben

Brigitte Maser (* 18.9.1955 in Stuttgart + 10.11.2023) war eine freie Journalistin und feministisch-lesbische Aktivistin aus Köln. Sie starb nach einer längeren Krankheit im November, wie erst jetzt bekannt wurde. Sie liegt auf Melaten begraben.

Brigitte wuchs in Berlin auf und wurde dort schon in der 1972 gegründeten, eher männerlastigen HAW (Homosexuelle Aktion Westberlin) aktiv. Dort war sie erstmals mit Differenzen zwischen Schwulen- und Lesbengruppen konfrontiert. Ob sie 1974 die Separierung der Lesben mitvollzog (Gründung des Lesbischen Aktionszentrum Westberlin LAZ und Beginn der bundesweiten Lesbenfrühlingstreffen) ist nicht bekannt. Lebenslang betonte sie eher das Miteinander als die Spaltung politischer Gruppen.

Ende der 1970er Jahre zog sie nach Köln, um an der Universität zu Köln Theater-, Film- und Fernwissenschaften, Germanistik und Pädagogik zu studieren mit dem Abschluss MA. Später machte sie mehrere Weiterbildungen, u.a. als  „Kulturmanagerin an der Verwaltungs- und Wirtschafts Akademie Köln und als Online-Redakteurin.

Kulturmanagerin Bereits während ihrer Studienzeit war sie in der Projektgruppe ‘Frauen im Theater’ aktiv und organisierte Tagungen mit. Längere Zeit beteiligte sie sich an freien Theaterproduktionen – sei es als Regieassistentin oder Dramaturgin. In den 1990er Jahren arbeitete sie im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie im Veranstaltungsmanagement: im Bereich Ausländerkulturarbeit, Obdachlosigkeit, beim Kölner Frauen-Filmfestival “Feminale“ oder beim „TürkeiFilmFestival“. Des weiteren war sie als Dozentin tätig – also eine typische Existenz als bisweilen prekär lebende Freiberuflerin.

Journalistin und Publizistin Vermutlich aus diesem Grund machte sie zeitweilig ‚Hintergrundarbeit‘ für diverse TV-Produktionen, u.a. beim Privatfernsehen. In der Szene wurde sie seit 2003 durch ihre Mitarbeit beim lokalen Szene-Magazin Stadt-Revue und bei der Taz bekannt und für Beiträge mit den Schwerpunkten
Gesellschaft und Soziales anerkannt. In längeren Artikeln behandelte sie die Kölner Frauenbewegung wie auch die lesbische und schwule Community, einige Artikel sind noch online nachzulesen. Ihr Anspruch war: politisch, präzise, pointiert. – Mit einer langjährigen Partnerin veröffentlichte sie Schulbuchtexte im Verlag an der Ruhr.

Aktivistin im SCHuLZ Noch als Studentin hatte sie erstmals das Schwulen- und Lesbenzentrum Schulz in der Bismarckstraße betreten, das 1985 eröffnet worden war. Hier lagen hier vor allem die lesbischen Mitglieder am Herzen. So nahm sie Kontakte mit der GLF-Frauengruppe auf, engagierte sich in der Kulturgruppe des Vereins (lglf-Kulturgruppe), was thematisches Neuland war. Sie begann Kulturveranstaltungen im Schulz zu organisieren, bald aber auch in anderen Locations wie der Comedia Colonia. Ein Highlight waren die mehrtägigen Sappho Rosa Kulturtage. Sie holte dazu unbekannte wie bekanntere Künstler*innen wie Georgette Dee oder Janice Perry, Georgette Dee & Terry Truck aus Berlin oder auch ‘Claus Vincon’ aus Köln. Sie betätigte sich auch im Vorstand des Bildungswerks des SCHuLZ. Die Aktivistinnen des entre nous-Vereins, die im Kontext des SCHuLZ die Zeitschrift subtrawista herausgeben, konnten auf Unterstützung durch ihr journalistisches Wissen rechnen. Das Schwulen- und Lesbenzentrum, das später an den Kartäuserwall zog, war für sie die Keimzelle der queeren Bewusstwerdung, ein Ort, der einen großen Freiraum bot und kreative Kräfte freisetzte.

Lesbenkultur Eines Ihrer wichtigsten Anliegen war und blieb es, Lesben in der LSBTIQ+ Community sichtbar zu machen. So organisierte sie 1991 erstmals auf den Kölner Uni-Wiesen ein Lesben-Fußballevent mit dem Lesben-Fußballclub “Pirates” – das erste internationale Lesben-Fußball-Turnier. Noch heute treten LSBTIQ+ und heterosexuelle  Fußballteams beim “Come-together-Cup” gemeinsam und gegeneinander an. Die Frauenbootsfahrten unter dem Motto Get Wet waren sommerliche Highlights.

Gewerkschafterin Brigitte war von 1999 bis 2023 Mitglied der Gewerkschaft ver.di; sie arbeitete aktiv in der ver.di Bezirkskommission der Selbständigen mit und besuchte als Delegierte für den Bereich Selbständige verschiedene Konferenzen.Sie war aber auch ganz bodenständig jährlich beim der 1. -Mai-Demo- und Kundgebung in Köln zu sichten.

CSD-Mit-Organisatorin Anfang der 1990er Jahre verlagerte sie ihren Schwerpunkt wieder stärker in ein schwullesbisches Projekt: die Organisation der kollektiven Erinnerung an die gewalttätige Razzia gegen queere Gäste des Stonewall Inn in der Christopher Street, New York 1969. Neben zehn Männern war sie 1991 neben Andrea Krein die einzige Frau, die den „Kölner Lesben- und Schwulentags“ (KLuST, heute Cologne Pride) gründeten, und die treibende Kraft, wenn es die Rechte und Sichtbarkeit von Lesben betraf. Die Organisation verstand sich als kommunalpolitischer Dachverband und Interessenvertretung der schwulen, lesbischen und bisexuellen (dann auch trans und intersexuellen) Einwohner*innen Kölns. Selbstverständlich nahm sie 1991 am ersten CSD in Köln teil, damals war es laut ihrer Erinnerung noch eine überschaubare Menge. Sie erinnerte sich anlässlich der Beerdigung ihres Freundes Thomas Spolert, der ebenfalls Gründungsmitglied des KLuST gewesen war: „Bei unserer ersten CSD Demo-Parade (1991) waren wir ca 300 Demonstranten und ein Wagen. Wir starteten auf dem Alter Markt und zogen durch die Altstadt bis zur Stephanstraße. Bunt, ein bisschen laut, ein bisschen schrill und voller Stolz! Wir wollten uns nicht mehr verstecken! Und in der Stephanstraße feierten fröhlich etwa dreitausend Lesben und Schwule. Unsere Öffentlichkeitsarbeit hat gewirkt und wir haben in den Jahren den „Kölner Lesben- und Schwulentag“ zu einer Marke für unsere Community gemacht. Wir wurden immer größer und selbst die Stadt Köln hat, nach jahrelangem Fremdeln und Ignorieren, angefangen, uns ernst zu nehmen. Heute wirbt die Stadt Köln auch mit unserem CSD, mit dem Pride-Wochenende für sich als eine tolerante, liberale und lebenswerte Stadt. Seit über 20 Jahren ist der CSD die zweitgrößte Veranstaltung in unserer Stadt.“ Da so wenig Lesben anwesend waren hatten die Lesben der Entre Nous-Tanzparties die Idee, im nächsten Jahr jede Lesbe mit gelben Luftballons zu bestücken, um sie sichtbar zu machen.

CSD 3.7.1994

Sie war dann einige Jahre im Vorstand des KLuSt tätig und hat dort vor allem Netzwerkarbeit geleistet. In manchen Jahren hat sie die Begrüßung für den KLuST zur Eröffnung der Gala gemacht, auch beim internationalen Treffen der Ilga 1997, wo 300 auswärtige Gäste anwesend waren, gesprochen. 1997 verfasste sie mit ihrem langjährigen Vorstandsgefährten Thomas Spolert einen Beitrag im Stadtführer Lesben und Schwule in Köln (Hrsg.: Meiger/Rogler), in dem die beiden die Geschichte des CSD rekapitulierten und die Anfänge in Köln beschrieben. „Mit der Möglichkeit, sich innerhalb des CSD einen eigenen Raum zu nehmen, wuchs die Bereitschaft, mit schwulen Männern für gleiche BürgerInnenrechte zu kämpfen.“, heißt es da. Sie freute sich darüber, dass 1995 in Köln Deutschlands größte Lesbenparty mit 1.400 Frauen stattfand. Beiden AutorInnen war klar, dass es noch ein weiter Weg bis zur gesellschaftlichen und politischen Akzeptanz sei. Auch allgemeinpolitisch war sie stets eine aufmerksame Beobachterin: 1996 beteiligte sie sich an einer Plakataktion des Kölner Lesben und Schwulentages gegen rassistische, sexistische und ausländerfeindliche Strömungen – ein ihr wichtiges Anliegen. Sie beteiligte sich wiederholt an Round table-Gesprächen zu politischen Fragestellungen, auch auf Einladung von Parteien des demokratischen Spektrums.

Geradeaus Brigitte Masers Persönlichkeit war meist zurückhaltend, humorvoll und verlässlich, dennoch konnte sie deutlich kundtun, wenn das Gegenüber ihrer Meinung nach nicht die gleiche Professionalität an den Tag legte. Sie bezog klare Kante gegenüber Spaltungen und Ausgrenzungen in der Community. Auch Intransparenz bei der CSD-Finanzierung monierte sie mit journalistischen Beiträgen (Anonyme Investoren 2002). 2003 lautete ein Text programmatisch: Der CSD zwischen Politik und Party. Ihre Freizeit verbrachte sie u.a. im Kino, Theater, bei diversen Veranstaltungen, mit Backgammon-Spielen, Fussballtippen und beim Feiern im Gezeiten. Ihr Freundinnenkreis war ausgewählt. Sie überließ dem Kölner Frauengeschichtsverein beim Umzug von Nippes nach Ehrenfeld – relativ kurze Zeit vor ihrer Erkrankung – ein paar Bücher. Danach wurde es still um sie. Die letzten Monate waren zunehmend von Krankheiten geprägt. Am zehnten Spieltag der Saison 23/24 hat sie zum letzten Mal online mitgetippt. – Die Bewegung hat eine verlässliche ‚Kämpferin‘ um Bürger*innenrechte verloren.

Brigitte liegt auf dem Melatenfriedhof begraben.

Bild von Ida-Maria Giesen

Wer sie noch einmal sehen und hören möchte kann dies im Interview von Sabine Arnolds tun, das sie 2009 im Backstage-Bereich des ColognePride führte.

Irmgard Kopetzky – Oktober 2023

Die Netzwerkerin engagiert sich seit 1994 beim Frauennotruf Köln

Irmgard Kopetzky (* 1967) wuchs in Niederbayern auf. Nach ihrer Ausbildung zur Diplom-Sozialpädagogin arbeitete in der Mädchenarbeit. Erst über den Umweg Schottland lernte sie die Notruf-Arbeit kennen. Dort lernte sie 1992 dieses frauenpolitische Engagement kennen. Als sie dann mit ihrem späteren Ehemann nach Köln zog, stieg sie ehrenamtlich in die Arbeit der Kölner Notrufgruppe ein. Der Verein „Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen – Frauen gegen Gewalt e.V.“ existierte damals bereits 16 Jahre. Hier fanden von einer Vergewaltigung Betroffene Frauen, die ihnen ohne Zweifel und Verurteilung zuhörten. Die Mitarbeiterinnen infierierten über Rechte und begleiteten bei Bedarf Gewaltopfer zur Polizei oder zum Gericht. Irmgard Kopetzky beteiligte sich bald an allen Aktivitäten des Vereins. Gewaltbetroffenen Frauen wurde damals in der Gesellschaft nicht selten die Schuld an den Übergriffen gegeben. Sexuelle Gewalt in der Ehe wurde anfangs noch gar nicht strafrechtlich verfolgt. Die Dunkelziffer war entsprechend hoch. Und so gab es gute Gründe für Feministinnen – in welchen Projekten auch immer engagiert – an einem Strang zu ziehen und das Thema aus der Tabuzone zu holen. Zu den Erfolgen, die u.a. durch Irmgard Kopetzkys langjährigen Einsatz errungen wurden gehört u.a. die anonymeSpurensicherung nach Sexualstraftaten. Das Engagement gegen Gewalt an Frauen sei ja eigentlich eine Querschnittaufgabe, zu der sich über die feministische Szene hinaus alle aufgerufen fühlen sollten, sagt die 55-Jährige kämpferisch. Ihre Leidenschaft aber ist bis heute die Netzwerkarbeit. Dort agiert sie am liebsten fantasievoll mit Akteur:innen aus allen möglichen Zusammenhängen.

Wissenschaftsrat stärkt Frauen- und Gendergeschichtsforschung

Der Wissenschaftsrat hat unter anderem über die Weiterentwicklung der Geschlechterforschung in Deutschland beraten und dabei explizit die außerhochschulische historische Frauenforschung wertgeschätzt.

U.a. werden im Gutachten die Frauen- und Lesbenarchive aus dem Dachverband i.d.a., dem der Kölner Frauengeschichtsverein angehört, gewürdigt: “Die beeindruckenden zeithistorischen Bestände der i.d.a.-Einrichtungen umfassen unter anderem Texte (Bücher, Artikel, persiodika), Artefakte, Ton- und Bildmaterialien sowie Nachlässe und sind insbesodnere für die historische Geschlechterforschung eine bedeutende Ressource, da sie Zugänge in die historische Frauenbewegung eröffnen. So sind geschlossene Bestände zahlreicher Zeitschriften der historischen Frauenbewegung online verfügbar. Die i.d.a.-Einrichtungen haben gemeinsam den META-Katalog aufgebaut, der wiederum eine gute Basis füpr das DDF bietet. Es ist positiv zu bewerten, dass das DDF und der META-Katalog institutionell gefördert werden.” (S. 68). Durch Förderung über das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sei eine Fokussierung auf Frauenthemen bedingt, doch leisteten die Sammlungen darüber hinaus wichtige Impulse für die (historische) Geschlechterforschung. Zum Weiterlesen